„The day the music died“

Posted: 4. November 2013 by Mister Dynamite

Als ich Stephies Kommentar zu meinem letzten Blogbeitrag las, konnte ich mir so richtig vorstellen, wie ihr Dad mit den verstorbenen Heroen des Rockabilly jammt. So viele der Rockabilly-Legenden sind allzu jung von uns gegangen. Bei all den tragischen Geschichten ihrer frühen Tode sticht natürlich ein Ereignis besonders hervor: der Flugzeugabsturz, der uns gleichzeitig Buddy Holly, Richie Valens und den „Big Bopper“ Jiles Richardson entriss. Und da ich weiß, dass eine von Euch der größtanzunehmende Fan von Buddy Holly ist, lag es nahe, nachzuforschen, was damals eigentlich wirklich passiert ist.

Der 1936 geborene Texaner war ursprünglich vom Bluegrass beeinflusst und sang mit seinem Freund Bob Montgomery ab 1952 Harmonieduette bei lokalen Talentshows. Seine Musik veränderte sich jedoch schlagartig, als er 1955 in Lubbock Elvis Presley singen hörte. Der treibende Rhythmus von Akkustikgitarre und Slap Bass faszinierte ihn so, dass er seinen frühen Rockabilly Stil entwickelte und schon bald als Vorband für Elvis und Bill Haley spielte. Das blieb den Talentscouts nicht verborgen und schon 1956 unterzeichnete er einen Plattenvertrag.

Am 3. Februar 1959 war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Es war jener Tag, an den Don McLean in seinem Song American Pie mit der Zeile „The day the music died“ erinnerte. Die gemeinsame Tour mit Ritchie Valens, J. P. „The Big Bopper“ Richardson und Dion DiMucci (ja, der von Dion and the Belmonts) hatte sich zu einer enorm anstrengenden Angelegenheit entwickelt. Denn bei der genialen Idee, die jungen Wilden unter dem Namen Winter Dance Party auf eine dreiwöchige Tour durch 24 Städte des mittleren Westens zu schicken, hatte der Veranstalter vergessen, die Wetterbedingungen und Entfernungen einzukalkulieren. Noch dazu fiel die Heizung im Tourbus aus, sodass sich eine Erkältungswelle ausbreitete. Besonders schwer hatte es dabei den Big Bopper getroffen.

Leicht frustriert beschloss Holly ein örtliches Privatflugzeug zu chartern, um zum nächsten Gig vorauszufliegen. Die drei Sitzplätze für Gäste, die die kleine Maschine bot, waren natürlich heiß begehrt. Um sich zu schonen bat J.P. „Big Bopper“ Richardson darum, mitfliegen zu dürfen. Hollys Bassist Waylon Jennings hatte ein Einsehen und gab seinen Platz für Richardson auf. Ironischerweise neckte Holly Jennings dabei noch: „Hey, ich hoffe, dass Dein oller Bus auf der Strecke einfriert“. Und Jennings antwortete: „Hey, ich hoffe, dass Deine olle Machine abstürzt“. Eine Bemerkung, die als Spaß gemeint war, aber dafür sorgte, dass Jennings sie den ganzen Rest seines Lebens nie mehr vergessen sollte.

Und auch Richie Valens wäre dem Tod beinahe entgangen. Er warf mit einem Bandkollegen eine Münze, gewann das Spiel und durfte mitfliegen. So freuten sich also Holly, Valens und der Big Bopper über den vergleichsweise luxuriösen Flug, ohne zu ahnen, dass der gerade 21 Jahre alte Pilot des Städtchens seine Flugausbildung noch nicht beendet hatte. Er war gar nicht dazu ausgebildet worden, die Maschine auch bei schlechtem Wetter unter reiner Nutzung der Instrumente zu fliegen. Und genau dieses schlechte Wetter traf ihn kurz nach dem Start völlig unvorbereitet. Von den unbekannten Instrumenten verunsichert und durch den Mangel an sichtbaren Referenzpunkte in der Landschaft sowie der sternlosen Nacht desorientiert, verlor er die Kontrolle über die kleine Maschine. Die Spitze des rechten Flügels berührte bei 270 km/h in der Nähe von Clear Lake in Iowa den Boden und das kleine Flugzeug stürzte in ein Bohnenfeld. Sie waren gerade mal 10 km weit gekommen.

NewsVideo vom Tag des Absturzes mit Bildern der Maschine:

Nur 2 Monate später veröffentlichte Eddie Cochran den Song Three Stars, um an Holly, Valens und Richardson zu erinnern. Er verkaufte mehr als eine Million Aufnahmen dieses Songs und erhielt dafür eine goldene Schallplatte. Er selbst starb nur ein Jahr später bei einem Autounfall (dazu hier weiterlesen…). Es stimmt wohl: die Besten sterben jung.

Übrigens wurde Buddy Holly 1986 im ersten Jahrgang der frisch eröffneten Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Das zeigt deutlich, wie hoch die Bedeutung seines kurzen musikalischen Schaffens für die Musik war. Unwillkürlich müssen wir uns fragen, wie der Rockabilly heute aussehen würde, wenn er nicht so früh von uns gegangen wäre. Tröstlich ist immerhin, dass Holly, Valens und Richardson uns viele großartige Songs hinterlassen haben. Und seit dem „day the music died“ können sie weiterhin gemeinsamen rocken…und haben viele treue Fans bei sich…so wie Stephies Vater. Rock on, Daddy. Ein kleines Stück können wir Dich auch beneiden.

Keep on hearing the cool stuff, Babes!
Euer Mister Dynamite

2 Comments

  • Nadine Engel 4. November 2013 at 18:22

    Danke Liebes ♥

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  • Stephie 4. November 2013 at 18:29

    Schniefff, ich bin doch sooo nah am Wasser gebaut.
    DANKE, für diese vielen lieben Worte, und diesen wunderbaren Bericht.
    Diese drei so jungen, so talentierten Musiker, hätten noch nicht gehen dürfen .. ich mag gerade Holly und Valens sehr.
    Aber die Liste, der viel zu früh verstorbenen Musiker ist nicht kurz.
    Event. macht aber gerade der frühe und meist Unfalltot, die Songs dieser Sänger so besonderes.

    In 9 Tagen hätte mein Dad Geburtstag und das macht diese trübe Zeit immer etwas trüber.
    Doch dann stelle ich mir vor wie „gut“ er es dort oben hat, und mit Elvis & Co eine gute Zeit hat.

    Danke, und Rock ’n‘ Roll

    Liebe Grüße Stephie

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